Ägyptens Schattenseiten

Ägypten ist definitiv ein sehr vielseitiges Land. So außergewöhnlich und imponierend die Bau- und Kunstwerke aus der Zeit der Pharaonen auch sind, so nervig und anstrengend ist es, dort als Tourist unterwegs zu sein. Welche Dinge uns am meisten genervt haben und worauf ihr vorbereitet sein solltet, das erfahrt ihr hier.


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Ein Ă€gyptischer Souk am Eingang einer SehenswĂŒrdigkeit: der blanke Horror fĂŒr alle, die sich nichts aufquatschen lassen wollen
Ein Ă€gyptischer Souk am Eingang einer SehenswĂŒrdigkeit: der blanke Horror fĂŒr alle, die sich nichts aufquatschen lassen wollen

Grundlegende Probleme

Die Abzocke beginnt bereits wenige Minuten nach der Landung im Flughafen: Man möchte ganz entspannt sein Visa on Arrival entgegen nehmen, da drĂ€ngen einen auf hektische und aggresive Weise wild durcheinander brĂŒllende MĂ€nner mit ausgedruckten Logos von Reiseveranstaltern weg vom offiziellen Bankschalter hin zu ihrem eigenen Visa-Schalter. Dort soll man statt der festgelegten GebĂŒhr von 25 US-Dollar fĂŒr ein 28-Tage-Visum 30 Dollar oder mehr bezahlen. WĂŒrde man dies nicht tun, drohen sie, entfalle der Hoteltransfer. Lasst euch von ihnen nicht beirren, es gibt dafĂŒr keinerlei rechtliche Grundlage.

GrundsĂ€tzlich ist hier einiges anders als in Europa. Viele GebĂ€ude und Straßen sind kaputt, die Luft ist stickig und der GerĂ€uschpegel hoch. Es wird durchgehend gehupt und ĂŒberall liegt MĂŒll, schließlich gibt es kaum MĂŒlleimer. Gerade in lĂ€ndlicheren Gebieten, aber auch in StĂ€dten wie Luxor ist das Stadtbild immer noch von Esel-Karren und Pferde-Kutschen geprĂ€gt. Alle paar Meter quatscht einen ein StraßenhĂ€ndler an, der aggressiv seine GĂŒter oder Dienste verkaufen will. Höfliches „no, thank you“ wird ignoriert und so zieht man als Tourist binnen weniger Sekunden zahlreiche laut werbende VerkĂ€ufer auf sich, die einen gerne auch mehrere hundert Meter verfolgen und minutenlang zutexten.

Ein Bach, der offensichtlich zur MĂŒllentsorgung dient
Ein Bach, der offensichtlich zur MĂŒllentsorgung dient

Das Schicksal der Touristen und derjenigen, die von ihnen leben

Dieser Eindruck wird natĂŒrlich durch die aktuelle Lage verschĂ€rft, denn seit der Revolution 2011 kommt nur noch ein Bruchteil der ursprĂŒnglichen Anzahl auslĂ€ndischer GĂ€ste nach Ägypten. Und auf die wenigen verbleibenden stĂŒrzen sich dann eben all die verzweifelten Menschen, die von dem Tourismus-GeschĂ€ft leben. Einerseits in ihrer misslichen Lage nachvollziehbar, wĂŒrde sich fast so etwas wie Mitleid aufbauen, wenn nicht eben all diese Menschen gleichzeitig so extrem unhöflich, unehrlich und betrĂŒgerisch wĂ€ren.

In Ägypten gilt: Traue niemandem, du allein bist dein einziger Freund! So traurig es uns auch macht, das schreiben zu mĂŒssen, so wahr ist es leider auch. Wie oft haben wir es versucht, Chancen zu geben, den richtigen Weg erklĂ€rt zu bekommen, der nicht in einen Souvenir-Shop fĂŒhrt, sich ins Taxi zu setzen und nicht ganz woanders hingefahren zu werden, eine Empfehlung zu bekommen, ohne danach abkassiert zu werden, nach dem Preis zu fragen, ohne ein Vielfaches der Einheimischen zahlen zu mĂŒssen.

Verschiedene Ticket-Preise fĂŒr Ägypter und Nicht-Ägypter
Verschiedene Ticket-Preise fĂŒr Ägypter und Nicht-Ägypter

Sicherheitslage

Eines muss man sich bewusst sein, wenn man in das Land der Pharaonen reist: Jeder Tourist wird hier als wandelndes Portemonnaie wahrgenommen. Es ist kaum möglich, eine Konversation auf menschlicher Ebene zu fĂŒhren und erst recht nicht, wenn nicht irgendein GeschĂ€ft im Spiel ist. Schon gar nicht kann man erwarten, dass Ägypter sich in die Lage eines Touristen hineinversetzen könnten, schließlich kommen die wenigsten im Laufe ihres Lebens in eben diese Situation.

Trotz allem haben wir uns selten unsicher gefĂŒhlt. Die Rate direkter KriminalitĂ€t wie beispielsweise TaschendiebstĂ€hle halten wir fĂŒr nicht höher als in europĂ€ischen GroßstĂ€dten. Gerade spĂ€tabends und nachts sind die Straßen belebt, weshalb es kein Problem ist, auch noch zu spĂ€ter Stunde unterwegs zu sein. Dazu mĂŒssen wir jedoch anmerken, dass wir stets zusammen als Paar unterwegs sind. Als Frau alleine wĂŒrde ich mich wahrscheinlich hĂ€ufig unwohl fĂŒhlen, unabhĂ€ngig von der Tageszeit. Selbst mit einem Mann an ihrer Seite bekommt frau hĂ€ufig ungebetene Komplimente und landet zum Teil ungefragt auf den Selfies zahlreicher Ă€gyptischer MĂ€nner.

Kein Respekt vor nichts

Hier wird versucht, Geld zu machen: Gleich fĂŒnf Schilder weisen auf das Vorhandensein von Toiletten hin, doch wenige Meter weiter...
Hier wird versucht, Geld zu machen: Gleich fĂŒnf Schilder weisen auf das Vorhandensein von Toiletten hin, doch wenige Meter weiter…

Ebenfalls sehr schade finden wir, dass die ganzen alten Bauwerke und KulturgĂŒter von sehr vielen Ägyptern absolut nicht wertgeschĂ€tzt werden. Die selbsternannten Aufpasser rauchen in den Tempelanlagen, klettern ĂŒber Absperrungen, fassen mit Hieroglyphen versehende WĂ€nde an und dulden die gleichen Handlungen von Touristen, ja, fordern sie teilweise sogar richtig dazu auf, nur um sich ein paar Taler dazu zu verdienen.

...wirbt bereits die Konkurrenz. Ach ja, dass man gerade einfach nicht auf Toilette muss, interessiert die Ägypter ĂŒbrigens nicht im Geringsten
…wirbt bereits die Konkurrenz. Ach ja, dass man gerade einfach nicht auf Toilette muss, interessiert die Ägypter ĂŒbrigens nicht im Geringsten

Ein weiterer Unterschied zum Rest der Welt: Ägypter können (oder wollen?) sich nicht anstellen. Das haben wir noch nirgendwo anders so erlebt. Egal ob beim Bankautomat, Zug- oder Metroschalter, es wird sich permanent vorgedrĂ€ngelt und wer nicht drĂ€ngelt, wird einfach ĂŒbergangen. GrundsĂ€tzlich sollte man nicht darauf vertrauen, dass einem irgendjemand auch nur ein winziges bisschen Personal Space einrĂ€umt.

Auch verstehen die meisten Ägypter nicht, dass es sinnvoll ist, andere aus öffentlichen Verkehrsmitteln erst aussteigen zu lassen, bevor sie sich reindrĂ€ngen können. Und auch Taxifahren in Ägypten ist das reinste Abenteuer.

Warum können wir Ägypten trotzdem empfehlen?

Unser Ägypten-Video

Dennoch bereuen wir es keineswegs, dieses Land voller GegensĂ€tze besucht zu haben. So konnten wir einige der Ă€ltesten und beeindruckendsten Bauten der Menschheitsgeschichte mit eigenen Augen sehen. Zudem gefĂ€llt uns, dass es ĂŒberall gĂŒnstiges veganes Essen und frisch gepresste SĂ€fte gibt.

Generell ist Ägypten seit dem WĂ€hrungsverfall 2016 fĂŒr AuslĂ€nder nochmal deutlich gĂŒnstiger geworden als es vorher ohnehin schon war. Hier kann man sich (fast) alles leisten – solange man den „normalen“ und nicht den Touri-Preis bekommt. So kosten ĂŒber 200 Kilometer Zugfahren in der zweiten Klasse nicht einmal 1,50 Euro. Wir kennen kaum LĂ€nder, die vergleichbar gĂŒnstig sind (ich meine, Falafeltaschen fĂŒr 10 Cent – wo gibt’s das noch?). Ägypten ist also definitiv eine Empfehlung fĂŒr Veganer auch mit kleinem Budget!

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Metro Kairo
Metro Kairo

Möchtet ihr noch mehr ĂŒber den Ă€gyptischen Alltag wissen, empfehlen wir euch diesen Artikel, der ein hervorragend akkurates Bild nicht nur von der Kairoer Metro, sondern auch allgemein vom tobendem Leben in der Großstadt zeichnet. Braucht ihr Tipps, worauf ihr bei der Wahl eurer Unterkunft achten solltet, dann lest doch auch den Beitrag ĂŒber unsere besten und schlechtesten UnterkĂŒnfte in Ägypten. Hier kommt ihr zu all unseren Ägypten-Artikeln.

Jedes Land hat wohl seine Vor- und Nachteile. Trotzdem mĂŒssen wir zugeben, dass wir selten von einem Staat und dessen Einwohner so enttĂ€uscht, genervt und teilweise richtig angepisst waren, wie von den Ägyptern. Habt ihr so etwas auch schon mal erlebt? Was sind eure schlimmsten Reiseerfahrungen? Lasst es uns in den Kommentaren wissen!

 

7 Antworten auf „Ägyptens Schattenseiten“

  1. Super geschrieben – finde solche BeitrĂ€ge ganz wichtig. Mir ging es in Indonesien ebenfalls so Ă€hnlich, was mir die Urlaubsstimmung extrem versaut hat – Mittlerweile ist das auch ein Grund, gewisse LĂ€nder/Orte zu meiden, da fĂŒr mich ein faires Miteinander extrem wichtig ist und ich so ein Verhalten nicht unterstĂŒtzen will. Es gibt genĂŒgend schöne Flecken auf der Erde, ich muss mir keine Pyramiden anschauen nur damit ich sie „gesehen hab“ und von meiner Liste streichen kann. 😀

    1. Danke 🙂
      Ja, es gibt auf jeden Fall auch genug anderes auf der Welt zu sehen! Trotzdem fĂ€nden wir es schade, nur deshalb irgendwas nicht zu besichtigen, was man sich sonst gerne angeschaut hĂ€tte. Deshalb finden wir es wichtig, sich im Vorfeld darĂŒber zu informieren und auf die Situation vorbereitet zu sein. Haben schon von ein paar gelesen, dass sie von ihrer Ägyptenreise so bitter enttĂ€uscht waren, dass sie jetzt gar keine Lust mehr haben, irgendwo ins Ausland hinzureisen. Und das wĂ€re ja wohl wirklich superschade! Daher ist es fĂŒr uns umso wichtiger auch klarzustellen, dass dies eben nur manche und lange nicht alle LĂ€nder betrifft. Ich denke auch, je genauer man weiß, was einen erwartet, umso besser kann man damit dann auch umgehen. Oder wenn man vorher schon weiß, dass man dafĂŒr nicht so der Typ ist, ebendies mit in die Reiseplanung miteinbeziehen.

  2. Ja, wir haben Ă€hnliche Erfahrungen in Ägyprten gemacht, was einfach sehr schade ist. Klar, im Endeffekt ist es die Not, warum die Leute sich so aufdrĂ€ngen. Aber bei uns erreicht das leider genau das Gegenteil. Sobald wir bedrĂ€ngt werden, wĂŒrden wir nie etwas kaufen und das Weite suchen. Aber anscheinend hat diese Masche ja auch Erfolg. Ein Umdenken wird es da wahrscheinlich nicht geben. Ähnlich unwohl haben wir uns bisher nur noch in Indien gefĂŒhlt…

    VG
    Michael & Sandra

    1. Geht uns genauso. Eben, solange es funktioniert und Profit abwirft, werden sie es weiter mit Abzocke versuchen. Deshalb haben wir es zumindest in allen öffentlichen Verkehrsmitteln meist so gemacht, dass wenn wir bis Ende der Fahrt nicht abgezogen wurden, also uns der korrekte Preis genannt und gegebenenfalls Wechselgeld zurĂŒck gegeben wurde, wir auch tatsĂ€chlich dort ankamen, wo wir hinwollten und das ganze ohne große Diskussionen, dann, aber auch nur dann, haben wir ein Trinkgeld gegeben, was nochmal mindestens dem Fahrpreis entsprach. Leider kam dies nicht allzu hĂ€ufig vor. Aber wenn, dann sollte das auch belohnt werden, finden wir. Ebenso haben wir jedem, der (in Ägypten sind das ja quasi ausschließlich MĂ€nner) uns auf der Straße nicht bedrĂ€ngt hat oder wirklich nur kurz angesprochen, dann aber auch sofort in Ruhe gelassen hat, symbolisch einen Pfund in die Hand gedrĂŒckt (wir haben ihn liebevoll den „no-hassle-pound“ genannt 😀 ). Ob man so die Menschen dort zum Umdenken bewegen kann, keine Ahnung, andererseits ist auch eigentlich nicht unsere Aufgabe, sie zu „erziehen“.

  3. Das ist echt traurig zu lesen. Ich habe Deine Schilderungen schon hĂ€ufiger gehört, 1995 war das noch wirklich anders. Damals gab es zwar natĂŒrlich auch schon viele Touristen, aber ich glaube, die ganze Welt war touristisch einfach noch eine andere, eben doch eher in den Kinderschuhen. Mit meiner Schwester habe ich mich absolut sicher gefĂŒhlt und wir haben vor allem auch sehr nette und hilfsbereite Ägypter kennen gelernt, die wirklich keine Hintergedanken hatten. Auch ein „No thank you“ war noch absolut möglich, nach dem zweiten Mal wurden wir in Ruhe gelassen.
    Das Frauenbild soll ja ebenfalls krasser geworden sein. Ich kann mir echt nicht vorstellen, dass uns damals jemand angefasst hĂ€tte, dazu war viel zu viel Respekt da. Das scheint heute komplett anders zu sein – krass, wie sich ein Land in so kurzer Zeit so Ă€ndern kann.
    Danke fĂŒr diesen Artikel, trotz allem,
    /inka

  4. Interessanter Artikel und spannend, auch mal etwas negatives in Reiseblogs zu lesen. Abgesehen von den von Euch beschriebenen Schattenseiten und Nachteilen bin ich gerade sehr ĂŒberrascht, das Ägypten so gutes veganes Essen hat – hĂ€tte jetzt auf meiner Liste nicht unbedingt ganz oben gestanden. Also gleich doppelt etwas gelernt. 🙂

    LG, Chris

  5. Hallo Chantel und Ron,
    habe Euren Bericht mit großem Interesse gelesen. Ich war vor einigen Jahren auch mal in Ägypten und stimme auch tendenziell zu. Allerdings sind diese Aufdringlichkeiten und der Hang dazu ĂŒberzogenen Preise zu verlangen (Wobei ich höhere Eintritte fĂŒr Touristen und auf landestypischen Niveau fĂŒr Einheimische völlig ok finde) einfach eine negative Facette des Massentourismus. Ich denke, da muss man sich einfach ein „dickeres Fell“ zulegen, denn das Verhalten wird man kaum Ă€ndern können.
    Auf jeden Fall finde ich es wichtig, dass Reiseberichte die VerhĂ€ltnisse dann auch realistisch schildern und auf SchönfĂ€rberei verzichten. Ich versuche das auch 🙂
    LG
    Stefan
    PS: Toller Videoclip. Drohnenaufnahmen machen einfach was her 🙂 Habt Ihr die denn einfach ĂŒberall steigen lassen können? Wundert mich ein wenig, dass keiner was gesagt hat, wenn ihr damit ĂŒber die SehenswĂŒrdigkeiten gefolgen seid.

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